Dienstag, 23. Januar 2018

post septem annos - 7 Jahre später

Am 17.03.2010, also vor fast sieben Jahren, habe ich zum letzten mal einen Text veröffentlicht. Nicht nur hier, sondern - wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht - generell. Es ist so lange her, dass ich fast sagen möchte, dass ich es vergessen habe. Es lag nicht am Mangel an Ideen, oder Zeit; Ich bin dem Schreiben auch nicht "entwachsen" - Ich hatte einfach nicht das Verlangen danach.

Und doch sitze ich jetzt wieder hier und schreibe.

In der Nacht zu gestern ist meine Großmutter gestorben. Sie war Mitte siebzig, hatte vor etlichen Jahren aufgehört zu rauchen, trank fast keinen Alkohol, war viel unterwegs, ging regelmäßig zum Sport und besserte mit Näharbeiten ihre Rente auf. Sie war fit, gesund und unternehmungslustig. Und doch schlief Sie am Sonntag ein und wachte am Montag nicht mehr auf. Einfach so.

Ich würde mich wohl selbst belügen, wenn ich sage dass das nicht der Grund ist, warum ich jetzt hier sitze. Aber es ist nicht ihr Tod an sich, der mich jetzt nachdenklich werden lässt, vielmehr sind es die Umstände. Man hört täglich von Todesfällen, die sich wie aus dem Nichts ereignen, aber die schonungslose Härte und Endgültigkeit, mit der man konfrontiert wird wenn es das eignene Umfeld trifft, raubt einem dennoch die Fassung.

Aber darum soll es hier nicht gehen. Mit diesem Text will ich nicht ihren Tod verarbeiten - zumindest glaube ich das.

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Wer das hier liest, hat den Link zu diesem Text mit großer Wahrscheinlichkeit (direkt, oder indirekt) von mir bekommen. Ein Lebenszeichen an jene, von denen ich glaube, dass es sie interessieren könnte. Im Moment habe ich Zeit (mehr dazu weiter unten) und die möchte ich irgendwie nutzen. Ich hasse das Gefühl, unproduktiv gewesen zu sein, obwohl die Umstände Produktivität zugelassen hätten. Ob das "Produkt" dabei irgendeinen Mehrwert hat spielt für mich dabei (zum Glück) keine Rolle.

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Es ist nun also 7 Jahre her.

Ich bin jetzt 31 Jahre alt und damit ist die Zeit, die man "Jugend" nennt, ohne Zweifel endgültig vorbei. In bestimmten Situationen ist es heutzutage zwar gesellschaftlich akzeptiert, wenn sich erwachsene Menschen wie Jugendliche verhalten, aber das ändert nichts an den Erwartungen die an einen gestellt werden wenn man endgültig kein Jugendlicher mehr ist.

Wo also stehe ich jetzt? Was habe ich "erreicht"? Die Antwort darauf hängt (denke ich) von der Perspektive des Betrachters ab.

Man könnte sagen, dass ich sprichwörtlich mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehe, weil ich mein Leben durch Arbeit immer gut finanzieren konnte, nie in Abhängigkeit geraten bin und keine Schulden gemacht habe.

Man könnte mein Leben aber auch "unstet" und "unsicher" nennen, weil ich seit Ende November ohne Arbeit bin und in anderthalb Wochen meinen mittlerweile siebten Job in sieben Jahren beginne.

Ich könnte mich mühen und zu jedem einzelnen Jobwechsel Gründe liefern; Könnte untermauern, warum es nie meine Schuld war, aber das werde ich nicht tun. Ich hinterfrage das mittlerweile selbst nicht mehr. Ich arrangiere mich einfach damit. Also weiter im Text...

Man könnte sagen, dass ich ein gutes Leben führe und es bestimmt genug Leute gibt, die gern mit mir tauschen würden. Natürlich, warum auch nicht? Ich lebe mit meiner Freundin (mit der ich im nächsten Monat seit 10 Jahren zusammen bin) und meinem Hund in einem kleinen Haus mit großem Garten. So in etwa hatte ich mir das auch gewünscht.

Man könnte aber auch sagen, dass das nichts Halbes und nichts Ganzes ist, weil ich mehr durch Glück und glückliche Umstände zu all dem gekommen bin und nicht durch Leistung, oder Arbeit. Auch dass ich nach 10 Jahren Beziehung weder verheiratet bin, noch Kinder habe erscheint vielen als Makel auf der schönen Fassade.

Keine Ahnung, wie ich das alles selbst einschätzen soll. Ich habe nicht das Gefühl, weiter zu sein, oder weniger weit, als noch vor sieben Jahren. Ich bin einfach anders...

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"Sieben Jahre", das klingt eigentlich nicht nach viel. Betrachtet man es aber aus einem anderen Blickwinkel, ist es fast ein Viertel meines bisherigen Lebens. Es ist gar die Hälfte des Lebensabschnitts, den ich als (weitgehend) "selbstbestimmt" bezeichnen würde. Und nichtzuletzt beinhalten diese sieben Jahre nahezu mein komplettes Erwachsenwerden. Nicht das körperliche, oder psychische. Vielmehr das gesellschaftliche und soziale.

Betrachtet man es so, ist es eine verdammt lange Zeit. Aber was hat sie gebracht?

Nun, wenn ich versuche das Jetzt mit meinem Leben in 2010 zu vergleichen, stelle ich unweigerlich fest, dass alles anders geworden ist. Es gibt keine wirklichen Gemeinsamkeiten mehr. Die Umstände, meine Sicht auf die Dinge und ich selbst, als Mensch. Alles ist anders. In dieser Phase des Lebens ist das aber vermutlich völlig normal.

Dass sich die Dinge ändern, kann und sollte man erwarten. Wirklich interessant ist nur das "wie".

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Menschen kommen und gehen - das weiß (und damit rechnet) jeder. Aber kann man vorhersagen, wer & wann & wie?

Vor sieben Jahren hatte ich zumindest eine grobe Vorstellung davon, wer mir erhalten bleiben würde und wessen Weg sich über kurz oder lang von meinem trennt. Meistens lag ich damit aber falsch. Einige Menschen, von denen ich dachte, dass uns "so schnell nichts trennt", habe ich schon seit Jahren weder gesehen, noch gesprochen. Bei anderen war es genau umgekehrt. Aus heutiger Sicht wundert mich diese hohe "Fehlerquote" nicht mehr. Es geht ja nicht nur darum, wie sich mein eigenes Leben entwickelt, sonder auch um das Leben der Menschen, die mir damals nahe standen. Zu glauben, dass man für beides Vorhersagen treffen könnte, ist natürlich albern.

Vor sieben Jahren waren auch noch alle meine Großeltern am Leben. Natürlich wusste ich schon damals, dass ich mich damit sehr glücklich schätzen konnte und dass das alles andere als selbstverständlich ist. Von den Großeltern meiner Freundin lebte zu diesem Zeitpunkt dagegen bereits keiner mehr. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf habe ich mir auch damals schon darüber Gedanken gemacht, wie lange ich dieses Glück wohl noch habe und von wem ich mich (angesichts von Alter und Gesundheitszustand) vermutlich als erstes verabschieden muss. Je schlimmer und unausweichlicher das Ereignis ist, desto mehr möchte man darauf vorbereitet sein.

Heute sitze ich hier und versuche den Tod meiner Großmutter (mütterlicherseits) zu realisieren. Wieder lag ich falsch. Bei ihr hatte ich am allerwenigsten damit gerechnet, dass sie als erste aus dieser Generation geht. Nicht dass es bei jemand anderem ein weniger großer Verlust gewesen wäre (natürlich nicht!), nur war ich bei ihr am wenigsten darauf vorbereitet. Es ist nun umso schwerer, dem ganzen einen Sinn, oder gar etwas Positives abzugewinnen, weil die üblichen Phrasen einfach nicht passen wollen. ("Sie war alt genug", "Wenigstens hat sie sich nicht gequält", etc.)

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Leben heißt Veränderung, das weiß ich so gut wie jeder andere.

Leider konnte ich nie besonders gut mit Veränderungen umgehen, zumindest kommt es mir so vor. Nicht dass ich nicht wüsste, dass Veränderungen auch positiv sein können, oder gar dass ich wollte, dass alles immer gleich bleibt... Ich glaube es fällt mir oft nur schwer, mit Dingen wirklich abzuschließen.

Obwohl ich weiß, dass es sinnlos ist und ich lieber im hier und jetzt leben sollte, erwische ich mich allzu oft dabei, wie ich mich in alten Bildern, oder gar auf alten Internetplattformen verliere. Meistens sind es dann "Was wäre gewesen, wenn..."-Szenarien, die mich umtreiben.

Life is becoming, not being. "Das Leben ist Werden, nicht Sein." - Diesen Satz hat mir mal jemand hinterlassen und je älter ich werde, desto mehr Wahrheit finde ich in diesen Worten. Das Problem ist nur... manchmal würde ich gern einfach nur sein. Kennt Ihr das?

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So langsam fühlt sich dieser Text wie ein Brief an die Vergangenheit an, daher komme ich nun besser zum Ende.

Ich freue mich über jeden von Euch, der es (diesen Text und auch Euer Leben) bis hierher geschafft hat. Noch mehr würde es mich natürlich freuen, wenn Ihr diesen Blick auf die Vergangenheit durch ein paar Worte mit etwas Gegenwart füllt.

Aber keine Sorge: Dass ich Euch diesen Text geschickt habe heißt nicht, dass ich Reaktionen von jedem Einzelnen erwarte. Dafür ist alles viel zu lange her.


Macht's gut und bleibt gesund!

Euer Micha

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P.S.: Dass ich wieder hier geschrieben habe, heißt nicht, dass ich den Blog wiederbeleben will. Vielleicht kommt nochmal was, vielleicht aber auch nicht. Wer weiß...

Mittwoch, 17. März 2010

Im Exil

"Hier gibt es Wölfe." sagen sie uns. "5 Rudel mit ungefähr 50 Tieren. Die einzigen in Deutschland, die sich nicht nur in einem eingezäunten Gebiet bewegen." Der Stolz in der Stimme ist deutlich zu hören. Man hat mich verbannt.

Neidvoll folgt mein Blick dem Rauch meiner Zigarette, der sich in die nächtlichen Wälder der Lausitz ausbreitet. Ich beneide ihn um seine Freiheit. Um seine Gewissenlosigkeit. Der Blick über meine Schulter erinnert mich an die Realität, als er auf die Wand der Backsteinbaracke fällt. "Haus 13" verkündet ein angelaufenes Schild. "Zimmer 23" sagt der Metallchip an dem kleinen Schlüsselbund.

Zur Sache:

Letzte Woche bekam ich einen Brief vom Bundesamt für den Zivildienst (BAZ). Inhalt war, dass ich mich gefälligst am Dienstag, den 16.03. in einem Ort namens "Schleife" in Sachsen einzufinden hätte... zum Glück haben faule, verlauste Zivis, wie ich, nie irgendwelche längerfristigen Pläne.
Zum Örtchen Schleife braucht man eigentlich kaum etwas zu sagen. Es liegt kurz hinter der deutsch-sächsischen Grenze und ist eines der 5 sorbischen Kulturzentren in Deutschland. Was mich nach Schleife führt ist allerdings die Zivildienstschule. Eine von 17 in ganz Deutschland (für Zahlenfetischisten). An dieser Zivildienstschule werden Seminare zur politischen Bildung angeboten, die seit dem 01.01.2010 für alle Zivildienstleistenden Pflicht sind. So auch für mich.

Lange Rede, gar kein Sinn: ich hasse es hier. Ich sitze mitten in der verdammten Pampa! Bzw. in einem Wald, der offenbar ausschließlich von Wölfen und Wildschweinen bewohnt wird. Die Zivildienstschule besteht aus einigen Teilrenovierten Baracken aus den Jahren 1936/37, in denen mir den lieben langen Tag gepredigt wird, wie froh ich doch darüber sein kann, dass ich Zivi bin. Und als ob das noch nicht genug wäre, teile ich mein Schicksal mit über 100 anderen Zivis, von denen etwa 90% Sachsen sind.
ICH, der ich ohnehin schon schwerhörig bin! Ich fühle mich fast schon ausgestoßen zwischen all dem unverständlichen Gebrabbel, weil mein Wortschatz sich an diesem Ort notgedrungen auf die Wörter "Wie bitte?", "Was?" und "Hä?" beschränkt. Freakig...

Ich muss Schluss machen. Einer anderer fordert sein Internetnutzungsrecht. Wünscht mir Glück, damit ich Freitag wieder ungeschädigt in der Heimat ankomme.

So far...

Sonntag, 7. März 2010

Im Dunkeln

Irrend durch enge Gassen. „Wo sind wir? Das hier ist die Pampa!“ Die Richtung stimmt, aber der Weg ist der Falsche. „Parallel.“ sagt die Stimme von ganz weit oben. Die blutunterlaufenen Augen finden schlussendlich ihr Ziel. „Geschlossen“ sagen die Jalousien.

Erneutes Irren. Laufen. Schritthalten. Auf militärische Art.

Angekommen in der wohl dunkelsten Kaschemme Berlins brechen elektronische Beats über mich herein. Es sieht schmutzig aus. Und stickig. Ich mache mich gefasst auf die passenden Gerüche. Modernde Schnapsleichen und Urin währen zu erwarten gewesen, doch bleiben aus. Wirbelnde Lichter weisen uns den Weg zur Ledercouch und ziehen den Boden mit sich. Tapsiges Schleichen ersetzt den flotten Stechschritt, ob der erhöhten Schwindelgefahr. Im sitzen gewöhnen sich die Augen an die Lichtverhältnisse.

Die Deko passt am allerwenigsten zu der netten Tante hinter der Theke. An den Wänden und in schmierig-milchigen Glaskästen hängen leblos die abgetrennten Gliedmaßen irgendwelcher Aliens. Freakig. Ein bisschen Fear and Loathing in Las Vegas. Ohne Zweifel war der Innenarchitekt cracksüchtig. Egal, solange der Gin-Tonic nach mehr schmeckt.

Der Riese ist wütend, denn irgend so ein Typ trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „poetry“. Dämliches T-Shirt, zugegeben. Mr. Universum rupft nervös an einer holländischen Zigarettenschachtel herum. „Rooken is dodenljik“ oder so etwas in der Art steht darauf. Die beiden am Tisch gegenüber haben sich offenbar dafür entschieden, sich gegenseitig aufzufressen, während das kriechende Chaos sich die siebte Zigarette in einer viertel Stunde ansteckt. Es zieht.

Gesprächsfetzen.

Ich (mit verstellter Stimme) : „Wollt ihr das totale Brötchen?“

Riese: „Holt euch jetzt Hitler auf euer Handy, im Jamba Sparabo!“

Mr. Universum: „Sende jetzt HITLER an die 0815 und vermesse die Schädel Deiner Freunde ganz einfach mit Deinem Handy!“

Riese: „Oh man, dafür kommen wir alle in die Hölle…“

In der wabernden Dunkelheit der großstädtischen Nacht geht schlussendlich alles unter. Wörter, Sätze, Gedanken. Wir selbst verlieren uns an einem Bahnhof zwischen Wildfremden, mit dem Bild eines singenden Flaschensammlers, das sich in unser Gedächtnis eingebrannt hat. Planlos wie vorher. Mit vollem Bauch und leerem Kopf.

Man findet keine Erlösung… in einer immerdunklen Nacht.

- Unnützes Wissen: In der 41-jährigen Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik gab es keinen einzigen erfolgreichen Banküberfall.
...wissen se, 's war nisch alles schlecht inna DDR.

- Weisheit der Woche: Es gibt viele Argumente gegen Kinder. Sie sind zu teuer, zu laut, zu klein... und einfach nicht belastbar.

So far...

Sonntag, 24. Januar 2010

Update 01/2010

Salve!

Ich hoffe, Ihr seid heil angekommen... also hier... und in 2010.

Ich selbst bin es, auch wenn mein beinahe 40-tägiges Schweigen anderes vermuten ließ. Warum, fragt ihr? Keine Ahnung... ich behaupte einfach ganz schnippisch, es lag an der Enttäuschung über die ausgebliebenen Kommentare zu meinem letzten Eintrag.

Aber nun, ohne Umschweife, das Update:

- Ich arbeite vorerst nicht mehr auf dem Friedhof. Die Wildauer Bibliothek hat Hilfe angefordert & ich wurde geschickt. Ich bin jetzt also Aushilfsbibliothekarsgehilfensklave, oder so. Und, glaut es oder nicht, auf dem Friedhof kam ich häufiger zum Lesen, als jetzt in der Bibliothek.

- Mein Soloprojekt liegt auf Eis. Mit meiner Band habe ich am 03.04. einen Auftritt im K17 & dafür muss ein neues Programm her. Das geht im Moment vor. Aber aufgeschoben ist nicht aufgezogen uswusf.

check: http://myspace.com/darwinsrevengemusic

- Ich werde weiterhin ab und an Kurzgeschichten schreiben, sie allerdings nicht mehr hier veröffentlichen. Die gibts dann für Interessierte per Mail.

NEU NEU NEU NEUE RUBRIK!!!

- Unnützes Wissen: Seit 1983 hat der weibliche Brustumfang in Deutschland um durchschnittlich 4 Zentimeter zugenommen.
... na wenn schon die Wirtschaft nicht wächst...

- Weisheit der Woche: Wer regelmäßig vor 8:00 Uhr aufsteht, leidet unter Umständen unter "seniler Bettflucht" und sollte sich in Behandlung begeben.
... ich bin dann mal beim Arzt.

... so far ...

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Etwas anderes



Grüße!

Ich muss mich entschuldigen. Zum einen, weil ich mich so lange in Stille gehüllt habe & zum anderen, weil ich meinen Blog jetzt für etwas anderes gebrauchen muss, als für das, wofür er eigentlich gedacht war. Ich hatte den Drang, etwas zu schreiben & ich sah mich in der Pflicht, meinen Freunden und Seelenverwandten Bericht zu erstatten. Diesmal ließ sich jedoch das eine nicht mit dem anderen verbinden, denn ich musste mal wieder etwas anderes schreiben. Ich hoffe, ihr gebt dem Text trotz seiner Länge eine Chance & erwarte gespannt eure Kommentare:


Antropophob
(Eine Kurzgeschichte)

Er saß auf einer uralten Bank in der kleinen Baptistenkirche von Nordheim. Seine nikotingelben Finger strichen über die einst goldenen Lettern eines angestaubten Gesangsbuches. Als die Schritte von Richard, dem Hausmeister, die sakrale Stille brachen, erwachte auch er aus seiner grüblerischen Lethargie.
„Hallo, Anton“ echote es durch den Raum. „Ich hab Sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Geht es Ihrer Mutter wieder besser?“
„Ja, danke Richard“ Die Antwort war mehr Krächzen als Sprechen, aber der Hausmeister war ohnehin einer der ganz wenigen Menschen, mit denen Anton Neumann überhaupt sprach. „Sie muss schon nicht mehr das Bett hüten.“
„Das freut mich, Anton. Nach allem, was ich gehört habe, grenzt das ja an ein Wunder.“
„Ja… sieht ganz so aus.“
In Nordheim gab es schon seit mindestens fünfzehn Jahren keine nennenswerte baptistische Gemeinde mehr. Die meisten ehemaligen Mitglieder waren konvertiert oder einfach ausgetreten. Offiziell belief sich ihre Zahl noch auf ungefähr zwei Dutzend, von denen sich jedoch kaum die Hälfte noch regelmäßig in der Kirche sehen ließen. Anton war weder Baptist, noch gehörte er sonst einer Konfession an. Der Gedanke an einen allmächtigen und allgegenwärtigen Gott erfüllte ihn mit Unbehagen.
„Der Tag, an dem ich einem jähzornigen Stalker huldige, muss erst noch gebaut werden“, dachte er oft. Dass er hier her kam, hatte keinerlei religiöse Gründe. Er mochte die Stille. Er mochte den großen leeren Raum und dabei kam ihm zugute, dass angesichts der winzigen Gemeinde und abgesehen vom Hausmeister, nur sehr selten jemand anderes hier war.

Als er acht Jahre alt war, nahm ihn sein Vater an einem Sonntag, wie so oft, mit zu einem Fussballspiel ins Nordheimer Stadion. Es war September, aber immer noch angenehm warm und das bescheidene Stadion war mit etwa 800 Besuchern gut gefüllt. Die zweite Halbzeit dauerte noch nicht allzu lange und es stand, zu Antons großer Freude, 2:0 für die Nordheimer Spielvereinigung, als eine kleine Gruppe junger Männer aufstand und begann, feindselige Parolen zu skandieren. Es handelte sich um ein Paar der wenigen Fans, die mit der Gastmannschaft angereist waren und ihrem gejohle nach zu urteilen waren sie alles andere als nüchtern. Keiner kümmerte sich allzu sehr um die jungen Männer, denn Menschen, die besoffen Krawall machen, sind in Kleinstadtstadien keine Seltenheit. Auch Anton hatte keinerlei Angst und beobachtete interessiert die Szene. Er sah, wie einer der Jugendlichen in seiner Hosentasche kramte und einen kleinen Gegenstand herausholte. Als er die Flamme des Feuerzeugs sah, wurde Anton nervös und begann am Hemd seines Vaters zu zupfen. Doch noch bevor dieser reagierte, flog die kleine Kugel schon in ihre Richtung. Bestialischer Gestank breitete sich in einer dunklen Wolke unter den Zuschauern aus. Zwei weitere Stinkbomben explodierten kaum fünf Meter entfernt von Anton. Menschen stoben in Panik auseinander und versuchten Mund und Nase mit ihren T-Shirts oder den bloßen Händen zu bedecken. Einige erbrachen sich. Eine Frau fiel in Ohnmacht, stieß mit dem Kopf gegen ein Metallgeländer und blieb mit einer klaffenden Wunde an der linken Schläfe besinnungslos liegen.
Auch Anton und sein Vater ergriffen die Flucht, als die Woge panischer Leiber auf sie zugerollt kam. Anton lief dicht hinter seinem Vater, aber immer wieder drehte er sich in vollem Lauf um und schaute furchtsam auf die große, graue Rauchwolke und die Menschen, die vor ihr flohen. Deshalb sah er die ohnmächtige Frau mit dem blutigen Kopf nicht, über die sein Vater gerade hinweggerannt war. Anton stolperte und fiel. Er wäre mit Sicherheit überrannt worden, hätte sein Vater den Sturz nicht bemerkt und blitzschnell reagiert. Er wirbelte herum, riss seinen Sohn hoch, wandte sich wieder zur Fluchtrichtung und setzte Anton vor seinen Füßen ab. Die Dankbarkeit hatte keine Zeit sich auf Antons Gesicht zu zeigen und seine Augen schienen die Größe von Tennisbällen anzunehmen, als er über die Schulter seines Vaters den fluchenden Fleischberg von einem Mann sah, der auf die beiden zugerannt kam. Sein Vater sah ihn nicht mehr. Der Koloss stieß ihn aus dem schmalen Gang über die Lehnen der unteren Sitzreihe. Er stürzte zwei Reihen tiefer auf den harten Betonboden des Ganges. Anton wurde ebenfalls zur Seite geschleudert, doch durch einen Zufall, der ihm vielleicht das Leben rettete, landete er auf zwei Sitzen und somit nicht auf dem Fluchtweg der verängstigten Menschen. Vor Schmerz und Angst schreiend suchte er mit rastlosen Augen nach seinem Vater, doch als er endlich das vertraute Hemd erblickte, war es keine Freude, die seine Gesichtszüge veränderte. Der Körper seines geliebten Vaters wurde überrollt von einer Welle aus Schuhen, Beinen und Körpern. Als Anton wenige Augenblicke später wieder freie Sicht hatte, schienen alle seine Sinne bei dem entsetzlichen Anblick zu kapitulieren. Der verrenkte und offenbar mehrfach gebrochene rechte Arm seines Vaters. Der unnatürlich verdrehte Kopf in der wachsenden Blutlache. Anton wurde schwarz vor Augen und er erwachte erst zwanzig Minuten später auf dem trockenen Rasen des Spielfeldes.
Seit dem mied er jede Ansammlung von Menschen. Er wollte nicht mehr auf den Spielplatz gegenüber oder ins Kino. Er ging nur widerwillig und später sogar nur unter Zwang zur Schule. In ihrer Verzweiflung brachte Antons Mutter ihn zu einem Psychologen, der ihr von einer Nachbarin empfohlen wurde und auf Kinder spezialisiert war. Nach einem relativ kurzen Gespräch, das ohne die Erwähnung des grausamen Todes von Antons Vater ablief, lautete die Diagnose des Spezialisten: „Antropophob“. Menschenscheu.

Anton verließ die Kirche am späten Nachmittag. Er hatte einen guten Tag erwischt, denn es war selten, dass sich sogar der Priester derartig lange nicht blicken ließ. Die Hauptstraße wie immer meidend, machte er sich auf den Heimweg. Sein Gang war schleichend und langsam und sein Blick ruhelos. Das kindheitliche Trauma hatte ihm schwer zugesetzt und kaum ein Bereich seines Lebens war von den Einschränkungen, die die Phobie mit sich brachte verschont geblieben. Er überquerte die Luxemburg-Allee und als er das alte Heimatkundemuseum zu seiner Rechten sah, hellte sich sein Blick urplötzlich auf. Dies war der Ort, der ihm oft Unterschlupf bot, wenn er in der Baptistenkirche nicht ungestört sein konnte. Sofern nicht gerade Schulklassen auf Exkursionen anwesend waren, verbrachte er viel Zeit in dem Ausstellungsraum, der sich mit der örtlichen Tierwelt befasste. Denn der Geruch und der Anblick der ausgestopften Tiere erinnerten ihn an seinen Großvater und kaum etwas wirkte beruhigender auf seine gequälten Nerven.

Großvater Neumann war seiner Zeit Förster, veranstaltete Jagden und verdiente sich ein ansehnliches Zubrot als Tierpräparator für die trophäengierigen Jäger. Außerdem war er neben Antons Mutter der einzige, dem Anton nach dem Tod seines Vaters vertraute und dessen Nähe er suchte. Die Zeit, die Anton bei seinem Großvater verbrachte überwiegte schnell gegenüber der, in der er die verhasste Schule besuchte. Schon als Kind liebte er die wilden Geschichten von der Jagd und von den todesmutigen Kämpfen mit den Ungeheuern, die damals in den Wäldern um Nordheim gelebt haben sollen. Natürlich war es jedermann bekannt, dass es schon Jahrzehnte vor der Zeit, als der Großvater zum Nordheimer Forstbeamten wurde, keine Bären mehr in den hiesigen Wäldern gab, aber was ist schon eine Lüge, wenn der Lohn dafür die strahlenden Augen des eigenen Enkels sind?
Als Anton älter wurde, schaute er seinem Opa immer häufiger bei seiner Arbeit als Tierpräparator über die Schulter. Er liebte die Ruhe und Abgeschiedenheit, in der Menschen dieses Berufsstandes arbeiteten und half, sooft es ihm erlaubt wurde. Er war gerade erst sechzehn geworden, als ihm der Krebs auch diese Bezugsperson raubte. Die folgen dieses Verlustes waren fatal. Er ertrug, abgesehen von seiner Mutter, so gut wie keine menschliche Nähe mehr. Als die Tochter einer Nachbarin ihm an seinem siebzehnten Geburtstag einen Kuss geben wollte, schlug er ihr in seiner Panik zwei Zähne aus. Sein Weg zum menschlichen Schatten war geebnet.

Anton war nun fast zu Hause angekommen. Er freute sich auf seine Mutter und auf die Ruhe und Sicherheit, die ihm schon seit Jahren nur noch ihr gemeinsames Heim bieten konnte. In all den Jahren hatte er es mit vielen Berufen versucht, denn er wollte trotz seiner Phobie anständig für seine Mutter, den einzigen Menschen, der ihm etwas bedeutete, sorgen können. Doch seine Bemühungen waren leider nie von Erfolg gekrönt. Einmal waren es seine Ängste, ein andern mal seine fehlende Qualifikation, die ihn immer wieder scheitern ließen. Als jedoch bei seiner Mutter erste Anzeichen einer Demenz festgestellt wurden, sorgte er dafür, dass er mit ihrer Pflege betraut wurde und war somit vom Arbeitsmarkt entfernt. Anton kümmerte sich rührend um sie aber konnte den Fortschritt der Krankheit nicht verhindern, die mit ihren erbarmungslosen Krallen nach seiner Mutter griff. Wutanfälle folgten auf völlige Lethargie und auf plötzliche Gedächtnislücken folgten Weinkrämpfe. Doch so stark Antons Abneigung gegen alle anderen Menschen war, so stark war auch die Bindung zu seiner Mutter. Er ertrug all das Geschrei, das Gefluche, das Gewinsle und Geheule und wich keinen Schritt von ihrer Seite.

Heute war Anton besonders guter Laune, als er die Wohnungstür aufschloss, denn der Zustand seiner Mutter hatte sich deutlich gebessert. Sie war, wie er Richard dem Hausmeister bereits erzählt hatte, nicht mehr ans Bett gefesselt und dass, obwohl die Ärzte sie schon vor Wochen aufgegeben hatten. Auch zeigte sie keine Anzeichen irgendwelcher Anfälle mehr. Nachdem er in die Wohnung getreten war, entledigte Anton sich behäbig seiner Jacke und begrüßte seine Mutter anschließend liebevoll. Sie saß noch immer in ihrem Sessel, wie zu dem Zeitpunkt, als er an diesem Morgen das Haus verlassen hatte. Anton nahm das Wasserglas aus ihren spindeldürren Fingern und trug es in die Küche. Er hatte gesehen, dass eine tote Fliege in dem Glas schwamm und nachdem er seiner Mutter frisches Wasser gegeben hatte, setzte er sich auf das alte Sofa und sah fern. Gegen neun Uhr ging Anton ins Bett, nachdem er seiner Mutter, die offenbar noch etwas länger aufbleiben wollte, eine gute Nacht gewünschte hatte. Er schlief sehr ruhig und träumte von uralten Ruinen, von längst vergessenen Kulturen und Rassen, denen die Zeit ihre Sprache geraubt hatte und an deren ewiger Stille er sich jetzt labte.

Als er am nächsten Morgen aus dem Bad kam, fand er seine Mutter an ihrem angestammten Platz und war glücklich darüber. Routiniert kippte er das alte Wasser aus ihrem Glas in die Spüle und ersetzte es durch frisches. Es bekümmerte ihn nicht, dass sie in letzter Zeit so wenig trank… oder aß…

Sonntag, 22. November 2009

Hinter den Kulissen

"Diese verdammte Arbeitshose ist mir viel zu groß", denke ich, während an mir herunterschaue. Ich sitze auf einer Bank und der Rauch meiner Zigarette steigt in den wolkenverhangenen Himmel hinauf. Zu meinen Füßen liegt welkes Laub. "Es gibt Arbeit" schreit es. Weil es in den letzten Tagen recht trocken war, knirschen die brechenden Blätter, wenn meine grau-orangenen Arbeitsschuhe auf den Boden treffen. Ich höre es nicht. In meinen Ohren teilen mir die Ramones mit, dass sie nicht auf einem Tierfriedhof beerdigt werden wollen. Kann ich verstehen... ganz ehrlich.

Schnitt.

"Zum Gedenken der Opfer des 2. Weltkriegs" steht auf einem großen Feldstein inmitten eines Beetes. Eine Stimme:
"Ich komme schon seit fast 50 Jahren hier her. Mein Mann kann nicht mitkommen. Er leidet noch immer darunter. Seine ganze Familie wurde vor seinen Augen ermordet, nur er hat überlebt. 1945 war das. Da war er grad elf Jahre alt." Ich suche nach einem angemessenen Gesichtsaudruck. " Das da ist doch ein schöner Fliegenpilz!" Die Frau macht ein Foto mit ihrem Handy. "Ich mache Fotos für meinen Mann." sagt sie. "Naja... blei'm Se schön jesund, junger Mann!" Und dann geht sie, während ich mich immernoch darüber wundere, dass eine Frau in ihrem Alter ihr Handy zum Fotografieren benutzt.
Der Unmut über die aufgezwungenen fremden Erinnerungen kommt erst später.

Schnitt.

Ich stehe auf einem Grab. Der Grabhügel muss abgetragen werden und die Hälfte habe ich schon geschafft. Der feuchte und lehmhaltige Sand macht mir zu schaffen. Warme Schweißtropfen auf meiner Stirn, kalter Wind in meinem Nacken. Die dunklen Wolken lassen die Morgendämmerung etwas länger dauern.
Die Frau, 1,80 Meter unter mir, hieß Helga und ist noch nicht sonderlich lange tot. Ich konzentriere mich darauf, nicht an Zombiefilme zu denken. In meinem Kopf singt ein fast schon toter Johnny Cash:

I won't back down
No, I won't back down
You can stand me up at the gates of hell
But I'll stand my ground
And I won't back down

Schnitt.

Eine Trauergemeinde. Ganz in schwarz. Eine von vielen. Ein einzelner Trompeter spielt ein Requium. "Hätte ich nicht meine Arbeitskleidung an, würde ich da gut reinpassen.", denke ich mir. "Ich würde garnicht auffallen".

Schnitt

That is not dead, which can eternal lie,
yet with strange aeons, even death may die.
[H.P. Lovecraft]

Schnitt

Kollegen erzählen sich Friedhofswitze. Es ist Pause und in meinen Händen jagt Käpt'n Ahab den weißen Wal. Der Kaffee ist essentiell.

Schnitt.

Schönes Wochenende!
Still beweint und...
Harke und Schaufel.
Have you come for forgiveness?
Ich wollte nur fragen...
Was bleibt am Ende?
Milch und Zucker, bitte.

.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Der Gesang der dicken Frau


Erinnerungen, zusammengehalten vom Staub der Jahre. Das ist es, was bleibt. Mentale Photographien von besseren Zeiten voller Glück und Liebe, die mit jedem Augenblick ein Stückchen mehr ergrauen und verbleichen, ganz wie wir selbst.
Wir klammern uns an ihnen fest und nutzen sie als Baumaterial für unsere Luftschlösser, ohne zu merken, wie sehr das Rad der Zeit sie verzerrt. Wir schaffen uns eine ganz eigene Realität, die nie existiert hat. Wir lernen, zu vergessen und uns selbst zu belügen. Unsere Wunderwaffen gegen die Wahrheit, gegen Kummer und Leid, die drohen, unsere Luftschlösser einzureißen. Und nachts, wenn wir uns unbeobachtet fühlen, wenn die Schatten das Licht verdrängen und rationale und irrationale Ängste sich in unsere Gedanken schleichen, richten wir unseren Blick gen Himmel. Im falen Licht des Schicksalssternes äußern wir still unsere Wünsche. Wir bitten um ein paar Körnchen mehr Zeit in der Sanduhr unseres Lebens. Und um Kraft. Kraft um zu tanzen. Zum Gesang der dicken Frau und zu ihren Liedern über Glück und ewige Liebe.

Und wir tanzen. Oh ja, wir tanzen.

Während die Dämmerung den letzten Tag überkommt, rotten wir uns zusammen, um der aufkommenden Kälte zu trotzen und gemeinsam zu leugnen, dass das Ende naht.
All der Schmutz, den wir im Laufe unseres Daseins in die Atmosphäre geschleudert haben, erfüllt den Abendhimmel mit grotesk schillernden Farben. Wir heben unsere Köpfe und bestaunen dieses Schauspiel, wie eine riesige Leuchtreklame.

["And the people bowed and prayed
to the neon god they made"]

Ja, wir staunen, wir liegen uns in den Armen und wir tanzen, als gäbe es kein morgen. Und diesmal gibt es das auch nicht.
Denn irgendwann ist alles Licht verloschen und jeder einzelne ist wieder allein. Und mit der Dunkelheit kommt die Einsicht; und mit der Einsicht kommt die Reue. Und man bereut. Oh ja, man bereut.
Man bereut all das, was man nicht rückgängig machen kann. All die Zeit, die man verschwendet hat und vor Allem bereut man all die Abschiede, die nie stattgefunden haben, oder viel zu kurz gekommen sind. Dann sind die bedeutendsten Worte die, die man nie gesagt hat und die wichtigsten Küsse die, die man seinen Lieben nie zum Abschied gegeben hat.
Dann, wenn man unter Tränen feststellt, dass man sich an die Gesichter derer, die einem am wichtigsten waren, nicht mehr erinnern kann, wird einem bewusst, dass Liebe, Leidenschaft, Glück und Freude nichts weiter sind, als Worte. Nichts weiter, als Staubkörner auf unseren alten Fotos. Und wieder singt die dicke Frau. Schmettert ihre letzte Arie, während wir einsehen müssen, dass es nichts mehr zu tun, zu hoffen oder zu fühlen gibt.

Dass es nichts mehr gibt. Nur das Ende.